Neues zum Thema Schlaganfall

Auch jenseits von Corona gibt es Notfälle, die dringend behandelt werden müssen. Ein Patientennachmittag am KBR informierte im Februar über das Erkennen und neue Therapiekonzepte. Die Botschaft bleibt aktuell: Jeder Schlaganfall ist ein Notfall.

Der akute Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine bleibende Behinderung und in Deutschland die dritthäufigste Todesursache. Der KBR-Patientennachmittag im Februar widmete sich dem Thema und stieß auf großes Interesse. Titel des Fachvortrages war „Neues zum Schlaganfall am KBR – Vom Time-is-brain Konzept zur individualisierten Therapie“. Der Chefarzt der Neurologischen Klinik, PD Dr. Dr. Kai Boelmans, und der Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, PD Dr. Stefan Pfleiderer, stellten in einem Impulsvortrag das Thema Schlaganfall grundsätzlich dar und erläuterten, welche innovativen Behandlungsmöglichkeiten sich in den letzten Jahren etabliert haben, von denen auch Patientinnen und Patienten am KBR profitieren.

In Deutschland erleiden jährlich rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Bezogen auf das Einzugsgebiet behandelt das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide rund 1.000 Schlaganfallpatienten pro Jahr – Tendenz steigend. Zu den wichtigsten Ursachen für ein erhöhtes Schlaganfallrisiko gehören neben Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) und der Zuckerkrankheit aber auch Faktoren, die jeder selbst beeinflussen kann wie z.B. Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel.

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall

Wenn es zu einem Schlaganfall kommt, ist der Zeitfaktor entscheidend. Je frühzeitiger die Schlaganfall-Diagnose gestellt wird, desto rascher können Notfalltherapien angeboten werden mit dem Ziel bleibende Behinderungen deutlich zu minimieren oder – im Idealfall – ganz zu vermeiden. Je früher ein Schlaganfall behandelt wird, desto mehr Hirngewebe lässt sich retten.

Auch in „Corona-Zeiten“ gilt deshalb: Bei Verdacht auf Schlaganfall den Notruf wählen. Eine falsche Scheu, die Rettungsdienste zu belasten, könnte fatale Folgen haben.

Der FAST-Test

Auch Laien können überprüfen, ob eine Person einen Schlaganfall erlitten hat. Mit Hilfe des FAST-Tests kann man schnell und verlässlich einen Schlaganfall erkennen.

Die Buchstaben stehen für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit). Konkret: Kann der Betroffene lächeln oder hängt ein Mundwinkel herab? Kann er beide Arme gleichzeitig heben? Kann er einen einfachen Satz nachsprechen? Wenn der Betroffene mit einer dieser Aufgaben Probleme hat, besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall. In diesem Fall ist unverzüglich der Notruf 112 zu alarmieren.

Moderne Bildgebung und Mikrokatheter in der Notfallbehandlung

Für die medikamentöse Notfallbehandlung gelten mit wenigen Ausnahmen strikte Zeitvorgaben, bis zu welchem Zeitpunkt ein Blutgerinnsel-auflösendes Medikament gegeben werden darf. In der Vergangenheit bedeutete dies, dass Patienten, die die Klinik zu spät erreichten oder deren Schlaganfallbeginn unklar war (z.B. beim Aufwachen) keine Notfalltherapie mehr erhielten. In genau solchen Situation kann jetzt die moderne Bildgebung vom Gehirn helfen, Patienten zu identifizieren, die noch von einer Notfallbehandlung profitieren.

Beeindruckende Fortschritte gibt es darüber hinaus durch den Einsatz sogenannter  Hirnkatheter mit dem Ziel, ein verschlossenes Gefäß mechanisch wieder zu eröffnen (Thrombektomie). Von der Kombination dieser Verfahren profitieren gerade auch schwer betroffene Schlaganfallpatienten. Beide Referenten betonten aber, dass trotz technischer Fortschritte und neuer Behandlungsoptionen der Schlaganfall ein Notfall bleibt, der so schnell wie möglich in der Klinik behandelt werden muss.

Nachfragen der Besucher

Im Anschluss an den Impulsvortrag hatten die Veranstaltungsbesucher die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Hierbei ging es zum einen um den Inhalt des Vortrages als auch um generelle Fragen zum Krankheitsbild, insbesondere den Schlaganfallsymptomen.

Wichtige Nachfragen gab es auch zu Präventionsmaßnahmen sowie zur Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Hier machten die Referenten deutlich, dass neben der Modifikation von Lifestyle-Faktoren auch gezielte Vorsorgeuntersuchungen zur Gefäßgesundheit am KBR durchgeführt werden können, um z.B. eine Verengung der Halsschlagader rechtzeitig zu erkennen.

Aus der Diskussion wurde deutlich, dass für den Behandlungserfolg neben der Notfalltherapie auch ein multiprofessionelles Team aus Pflege, Therapeuten und Ärzten entscheidend ist.

Die Klinik für Neurologie am KBR verfügt über eine regional zertifizierte Schlaganfall-Spezialstation (Stroke Unit) mit zehn Monitorbetten, auf der Patienten mit akutem Schlaganfall umfassend von einem spezialisierten und erfahrenen Team betreut werden.

Weitere Informationen: www.klinikum-bremerhaven.de/neurologie

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