Ausbildungszentrum für Pflegeberufe

Gemeinsames Ausbildungszentrum für Pflegeberufe in Bremerhaven geplant / Arbeiterwohlfahrt, Akademie für Pflegeberufe und Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide stemmen sich gegen Fachkräftemangel / Förderantrag für Schulzentrum gestellt

Der bundesweite Mangel an Pflegepersonal ist auch in Bremen und Bremerhaven spürbar. Viele Pflegedienste, Pflegeheime und Krankenhäuser haben Mühe, offene Stellen zu besetzen. In den kommenden Jahren wird sich die Situation noch verschärfen. Ein gemeinsames Ausbildungszentrum für Pflegeberufe soll dem in Bremerhaven entgegenwirken.

Die Arbeiterwohlfahrt Bremerhaven (AWO), die Akademie für Pflegeberufe und Management (APM) und das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide (KBR) haben hierfür eine gemeinsame Konzeption entwickelt. Alle drei Partner haben langjährige Erfahrung in der Ausbildung von Pflegefachpersonen. „Zukünftig soll die gemeinsame Ausbildung statt wie bisher getrennt an drei verschiedenen Schulen, in einer gemeinsamen Schule stattfinden. Dafür wird ein Neubau benötigt“, so Kristina Keller, Geschäftsführerin der APM Niedersachsen. „Wir brauchen einen modernen Campus für Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen, der gleichzeitig attraktiv ist für Auszubildende und Lehrer.“

AWO, APM und KBR sind seit 2018 in regelmäßigen Gesprächen und haben im Juni dieses Jahres einen Förderantrag an die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz gestellt. „Die Herausforderung, mehr Fachkräfte in der Pflege auszubilden, kann nur gelingen, wenn die beteiligten Institutionen ihre Kräfte bündeln“, so KBR-Geschäftsführer Thomas Kruse. „Im vergangenen Jahr wurde signalisiert, dass ein solches Schulzentrum für Bremerhaven nicht nur gewünscht sondern auch erforderlich ist, um dem Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen.“ Im Schulkonzept ist vorgesehen, dass sich die drei bisherigen Schulen gemeinsame Unterrichts- und Seminarräume teilen und auch die Lehrerbereiche gemeinsam angelegt sind. „Im Moment herrscht in den Schulen Aufbruchsstimmung“, berichtet Siegmar Weegen, Geschäftsführer der AWO Bremerhaven. „Die Mitarbeiter bereiten sich auf die Generalistik im Jahr 2020 vor. Ein gemeinsames Ausbildungszentrum würde nicht nur mittelfristig einen Mehrwert für Bremerhaven bringen, es hätte auch Vorbildcharakter für andere Regionen.“

Die zukünftige Ausbildung soll moderner sein und die künftigen Pflegekräfte auf die Herausforderungen von morgen vorbereiten. Deshalb sind verschiedene Skill-Labs geplant – sogenannte Lernlabore in denen typische Situationen simuliert und durchgespielt werden können – unter den Augen und der Anleitung der Lehrkräfte. „Wir haben beispielsweise vor, einen Raum wie einen privaten Wohnzimmerbereich zu gestalten, um die Tätigkeiten in der häuslichen Pflege zu trainieren. Ein anderer Bereich wird wie ein Schockraum und ein Aufnahmebereich in einem Krankenhaus gestaltet sein“, erklärt Dr. Witiko Nickel, Pflegedirektor am KBR. In der Ausbildung entscheidet sich, ob Pflegekräfte im Beruf bleiben oder sich etwas anderes suchen. „Es gibt genügend Studien, die belegen: Ist die Ausbildung modern und praxisorientiert, unterstützt das nicht nur den Arbeitsbeginn, es erhöht auch die Zufriedenheit im Job und damit die Berufsverweildauer.“

Das gemeinsame Schulzentrum soll auf dem Gelände des Klinikums Bremerhaven-Reinkenheide gebaut werden. Für den Schulzusammenschluss mit einer geplanten Erhöhung der Ausbildungskapazitäten wird Platz benötigt. Die Partner haben für den Förderantrag bereits eine erste Planung sowie eine Kostenschätzung durchgeführt. Das Schulzentrum wird voraussichtlich 12,5 Millionen Euro kosten. „Aktuell gehen wir von einer Bauzeit von circa 36 Monaten aus“, so Kruse. „Je eher die Förderzusage kommt, umso eher kann konkret umgesetzt werden. Zeit ist hier nicht nur Geld, sondern Zeit bedeutet auch Pflegefachpersonal.“

Dass jetzt in Kürze gebaut wird, ist allerdings vorerst nicht zu erwarten. Da sich die Haushaltsberatungen voraussichtlich bis Sommer 2020 hinziehen werden, ist mit einer Förderzusage laut der senatorischen Behörde frühestens im Herbst/Winter 2020 zu rechnen. „Der Pflegepersonalmangel existiert jetzt und das schon seit einiger Zeit“, so Dr. Nickel. „Pflege muss attraktiver werden und das beginnt natürlich in der Ausbildung.“ Die demografische Entwicklung zeigt, dass sich die Situation zuspitzen wird. Bereits 2017 kam das Bremer Gesundheitsberufemonitoring zu dem Ergebnis, dass sich in den kommenden fünf bis 15 Jahren der bestehende Mangel an Pflegekräften in Bremen erheblich verschärfen wird. Besonders betroffen sind die Berufe der Altenpflege und der Gesundheits- und Krankenpflege. Die personelle Situation in den Kliniken, Heimen und Pflegediensten heute zeigt, dass die Prognosen des Gesundheitsberufemonitorings aus 2017 korrekt waren. „Es muss daher jetzt gehandelt werden“, so Nickel, „wenn auch zukünftig die Gesundheitsversorgung sichergestellt werden soll.“

Dem Fachkräftemangel wird durch das neue Pflegeberufegesetz entgegengewirkt. Es sieht vor, dass die Ausbildung ab 2020 generalistisch angelegt wird, die bisherigen Altenpfleger und Gesundheits- und Krankenpfleger für eine Dauer von zwei Jahren gemeinsam ausgebildet werden. Im dritten Ausbildungsjahr kann dann eine Spezialisierung stattfinden. Durch die neue Ausbildung soll der Beruf attraktiver werden und eine gemeinsame, breitere Basis bekommen. Die Praxiseinsätze der Auszubildenden verändern sich ebenfalls: die bisherigen Altenpflegeazubis werden zukünftig mehrere Wochen im Krankenhaus eingesetzt und die bisherigen Krankenpflegeazubis werden zusätzlich in der stationären Pflege ausgebildet. Dafür müssen alle Ausbildungsstätten näher zusammenrücken und Ausbildungsnetzwerke gründen. Genau diese Anforderungen können und wollen die drei Partnerorganisationen gemeinsam erfüllen.

Ansprechpartner:

Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide
Pflegedirektor Dr. Witiko Nickel

Akademie für Pflegeberufe und Management (APM)
Geschäftsführerin Kristina Keller

Arbeiterwohlfahrt Bremerhaven
Fachbereichsleitung Stationäre Altenpflege Heike Bülken

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