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Dr. Witiko Nickel, Pflegerischer Geschäftsführer am KBR, und Dr. Andreas Bohlen, Gesellschafter Augenärzte Niederelbe, vor dem Eingang zum Zentrum Ambulantes Operieren (ZAO)
Augenärzte Niederelbe und KBR bündeln Kräfte
Neue retinologische Versorgungsstruktur für die Region – Bremerhaven wird zur Anlaufstelle für komplexe Netzhauterkrankungen
Neue retinologische Versorgungsstruktur für die Region
Wer in Bremerhaven oder im Elbe-Weser-Dreieck an einer ernsten Netzhauterkrankung leidet, musste bislang meist den Weg nach Bremen auf sich nehmen. Wer eine Netzhautablösung erleidet, eine Glaskörperblutung bemerkt oder bei fortgeschrittenem Diabetes plötzliche Sehverschlechterungen erlebt, hat oft nur ein Zeitfenster von wenigen Stunden, in denen eine operative Versorgung das Augenlicht retten kann. Bislang bedeutete das für viele Betroffene eine angespannte Fahrt in eine der Bremer Kliniken – nicht selten unter erheblichem zeitlichen Druck. Das ändert sich jetzt grundlegend: Die Augenärzte Niederelbe und das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide (KBR) haben offiziell ihre Kooperation aufgenommen und schaffen damit ein retinologisches Zentrum, wie es im norddeutschen Raum bislang kein Pendant hat.
Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht die vitreoretinale Chirurgie – eine der anspruchsvollsten Disziplinen innerhalb der Augenheilkunde. Bei diesen Eingriffen arbeiten die Operateure mit Instrumenten, die kaum dicker sind als ein menschliches Haar, im Inneren des Auges. Operiert wird unter dem Mikroskop, oft über Stunden, bei höchster Präzision. Behandelt werden unter anderem Netzhautablösungen, Blutungen im Glaskörper, diabetische Netzhautveränderungen, Makulaforamen und Folgen der altersbedingten Makuladegeneration – Krankheitsbilder, die ohne rechtzeitige Operation zur Erblindung führen können. „Bei diesen Eingriffen zählt jede Stunde“, erklärt Dr. med. Andreas Bohlen, treibende Kraft hinter dem Aufbau des Zentrums. „Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ein Patient in Bremerhaven sofort versorgt werden kann oder erst nach Bremen gebracht werden muss. Für ältere Menschen, für Berufstätige, für Angehörige – jede Stunde Anfahrt ist nicht nur eine Belastung, sondern kann auch medizinisch entscheidend sein.“
Drei erfahrene Operateure – mehrere tausend Eingriffe Erfahrung
Mit der Berufung von Dr. med. Andreas Bohlen begann der gezielte Aufbau des retinologischen Schwerpunkts in Bremerhaven. Dr. Andreas Bohlen, zum 1. Oktober 2024 zu den Augenärzten Niederelbe gewechselt, war zuvor Leitender Oberarzt am Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen. Er ist derzeit der einzige Operateur in Bremerhaven, der regelmäßig sogenannte Vitrektomien durchführt und gleichzeitig die retinologische Notfallversorgung übernimmt – ein Versorgungsangebot, das in dieser Form für die Region neu ist. Seine besondere Stärke liegt in der Verbindung aus operativer Erfahrung und persönlicher Patientenführung: „Die meisten Menschen, die zu uns kommen, haben Angst – um ihr Sehen, um ihre Selbstständigkeit. Diese Sorge ernst zu nehmen, ist mindestens so wichtig wie der Eingriff selbst.“
Verstärkt wird das operative Team durch zwei weitere hochrenommierte Netzhautchirurgen. PD Dr. med. Andreas Schüler, ehemaliger Chefarzt der Bergmann Klinik Bremen, gilt seit vielen Jahren als eine der profiliertesten Stimmen der deutschen Ophthalmologie. Er hat mehrere tausend vitreoretinale Eingriffe persönlich durchgeführt, hat habilitiert und ist regelmäßig als Referent auf nationalen Fachkongressen vertreten. Seine wissenschaftlichen Arbeiten und Vorträge haben ihm eine Reputation eingebracht, die weit über Norddeutschland hinausreicht. „Wir bringen jetzt in Bremerhaven Expertise zusammen, die man sonst nur an großen Universitätskliniken findet“, so PD Dr. Schüler. „Für mich persönlich ist das ein spannender Schritt – die Möglichkeit, hochspezialisierte Medizin in eine ambulante Struktur zu überführen, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen.“
Ergänzt wird das Team von Tina Siegmund-Delić, zuvor Oberärztin am Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen. Auch sie bringt mehrere tausend operative Eingriffe an klinischer Erfahrung mit und ist auf die mikrochirurgische Versorgung komplexer Netzhauterkrankungen spezialisiert. Ihre Arbeit zeichnet sich durch außerordentliche Präzision und Ruhe am OP-Tisch aus – Eigenschaften, die in einer Disziplin, in der Millimeter über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, unverzichtbar sind. „Was uns hier ermöglicht wird, ist außergewöhnlich“, sagt Siegmund-Delić. „Wir arbeiten als eingespieltes Team, jeder mit eigener Handschrift, aber mit demselben Anspruch: bestmögliche Versorgung – persönlich, schnell, fachlich auf höchstem Niveau.“ Mit ihrer Erfahrung schließt das Trio nicht nur eine Versorgungslücke, sondern hebt das fachliche Niveau in der Region spürbar an. Eine vergleichbare Konzentration vitreoretinaler Expertise in einer ambulanten Struktur ist im norddeutschen Raum bisher einzigartig.
Kooperation mit dem Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide
Mit der nun gestarteten Kooperation verlagern die Augenärzte Niederelbe einen wesentlichen Teil ihrer operativen Tätigkeit in die Räumlichkeiten des Klinikums Bremerhaven-Reinkenheide. Die Operationen werden in den Räumlichkeiten des Zentrums für Ambulantes Operieren (ZAO) im KBR durchgeführt. Ab Juli stehen hier ambulante OP-Säle für augenärztliche Eingriffe zur Verfügung. Das hat gleich mehrere Vorteile: Patientinnen und Patienten profitieren von einer modernen klinischen Infrastruktur, von kurzen Wegen, von der vertrauten Umgebung eines etablierten Krankenhauses – und, im Notfall, von einer engen Anbindung an die stationäre Versorgung. Komplikationen, die in der vitreoretinalen Chirurgie zwar selten, aber prinzipiell möglich sind, können so unmittelbar im Haus aufgefangen werden. Auch postoperative Kontrollen und die Versorgung von Patienten mit Begleiterkrankungen lassen sich deutlich enger verzahnen. Gleichzeitig entsteht ein integriertes Versorgungsmodell, das die Effizienz einer spezialisierten Praxis mit der Tiefe eines Krankenhauses verbindet – ein Modell, das im Sinne der politisch gewollten Ambulantisierung als wegweisend gelten kann. „Diese Kooperation ist ein echter Meilenstein für die augenärztliche Versorgung in unserer Region“, betont Dr. Andreas Bohlen. „Wir können hier künftig nahezu alle Krankheitsbilder versorgen, für die unsere Patienten bisher in Großstädte fahren mussten. Das ist ein enormer Gewinn an Lebensqualität – gerade für ältere Menschen, die auf Angehörige angewiesen wären, um längere Strecken zurückzulegen.“
Auch Dr. Witiko Nickel, Pflegerischer Geschäftsführer am KBR, unterstreicht die Vorteile des neuen Angebots: „Ambulante Formen der Versorgung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Darauf wollen wir uns auch im Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide mit einem entsprechenden Angebot einstellen. Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir mit diesem Schritt die sehr gute Zusammenarbeit mit den Augenärzten Niederelbe noch weiter ausbauen können“, so Dr. Nickel. Bereits heute führen die Augenärzte Niederelbe Konsile bei Neugeborenen durch, die auf der Frühgeborenen-Intensivstation (Neonatologie) am KBR versorgt werden. Wichtig: Sprechstunde und Nachsorge finden unverändert an den sechs Praxisstandorten der Berufsausübungsgemeinschaft statt, nicht am KBR. In Bremerhaven befindet sich der Praxisstandort der Berufsausübungsgemeinschaft in der Bürgermeister-Smidt-Str. 162. Weitere Praxen gibt es in Stade (zwei Standorte), Cuxhaven, Dorum und Otterndorf. Neben dem KBR betreibt die Gemeinschaft zwei weitere OP-Zentren, eines in Cuxhaven sowie ein weiteres in Stade.
Wachsende Nachfrage – Einzugsgebiet bis Hamburg
Der Bedarf für ein solches Angebot ist groß. Schon heute reicht das Einzugsgebiet weit über Bremerhaven hinaus: Patientinnen und Patienten kommen aus Ostfriesland, aus dem gesamten Elbe-Weser-Dreieck und zunehmend auch aus dem Hamburger Raum. Hausärztliche Praxen, niedergelassene Augenärzte und Kliniken in der Region weisen Patienten gezielt nach Bremerhaven zu, weil sich herumgesprochen hat, dass dort eine wohnortnahe Alternative zur klinischen Versorgung in den großen Städten entstanden ist.
Das gesamte Spektrum der Augenheilkunde – für jeden Patienten
So sehr die Netzhautchirurgie das neue medizinische Aushängeschild des Standortes ist – die Augenärzte Niederelbe sind und bleiben eine augenärztliche Praxis für alle Patientinnen und Patienten. Das gesamte Spektrum der modernen Ophthalmologie wird weiterhin in vollem Umfang abgedeckt: von der allgemeinen augenärztlichen Sprechstunde über Vorsorgeuntersuchungen, Brillen- und Kontaktlinsenanpassung, Glaukomdiagnostik und -therapie bis hin zur Behandlung von Lidveränderungen, Bindehauterkrankungen oder trockenen Augen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt nach wie vor auf der Chirurgie des grauen Stars (Katarakt) – dem mit Abstand häufigsten Eingriff in der Augenheilkunde, der an den Standorten Bremerhaven, Cuxhaven und Stade in großer Zahl und mit modernster Technik durchgeführt wird. „Es ist uns wichtig zu betonen: Jeder Patient ist bei uns willkommen – ob mit einer komplexen Netzhauterkrankung, einem grauen Star, einer Routinekontrolle oder einer Brillenverordnung“, betont Dr. Andreas Bohlen. „Wir verstehen uns als Praxis für die ganze Region und für jedes Anliegen rund um das Auge. Die spezialisierte Netzhautchirurgie ergänzt unser Angebot – sie ersetzt es nicht.“
Wohnortnahe Spitzenmedizin
Für die Patientinnen und Patienten in Bremerhaven und der weiteren Region bedeutet die Entwicklung vor allem eines: hochqualifizierte, spezialisierte Augenmedizin, ohne weite Anfahrtswege, ohne lange Trennung vom gewohnten Umfeld und mit der Sicherheit, im Ernstfall in vertrauten Händen zu sein. Mit der Kooperation zwischen Augenärzten Niederelbe und Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide entsteht in Bremerhaven ein retinologisches Referenzzentrum, das medizinisch wie strukturell neue Maßstäbe für den norddeutschen Raum setzt – und das zeigt, dass moderne Spitzenmedizin nicht zwangsläufig in der Großstadt stattfinden muss.